#26: C wie Checkliste

Eins ist klar: Barrierefreiheit ist nicht kompliziert. Die zu beachtenden Punkte können umfangreich sein, sind aber im Gegensatz zu manch anderen Planungsanforderungen jederzeit praktisch und allgemeinverständlich herleitbar. Dafür gibt es im ersten Schritt der Überprüfung ein zumeist unterschätztes Werkzeug: Checklisten.

Gibt es einen stufenlosen Zugang? Sind alle Türen breit genug? Ist ein Leitsystem vorhanden? Solche Fragen können konkret mit ja oder nein beantwortet werden. Dadurch erhält man schnell und unkompliziert einen ersten Überblick in der Bestandsaufnahme.

Aber auch in der Planung und Umsetzung einzelner Maßnahmen können Checklisten eine große Hilfe sein: Worauf muss ich beim Renovieren und Umbauen achten, um altersgerecht wohnen zu können? Habe ich alle relevanten Kriterien für ein barrierefreies Bad bedacht? Wurden alle vorgesehenen Punkte in der Veranstaltungsplanung berücksichtigt?

Natürlich lassen sich nicht alle Anforderungen und Bedürfnisse in einer Checkliste widerspiegeln. Die Detailfragen erfordern Beratung und Planung, die beides abdecken: Augenmaß und Weitblick.


Checklisten für einzelne Themenbereiche und Planungsvorgänge stell ich demnächst hier zur Verfügung.

Was Corona inklusiv macht

Erde. Ein Corona-Virus verteilt sich auf der ganzen Erdfläche.

Es ist in dieser Zeit vielerorts davon zu hören, man solle die aktuelle Krise als Chance sehen und nutzen. Tatsächlich mag das für das Individuum funktionieren und auch ich versuche das Beste aus den Umständen zu machen. Das mag aber auch an meiner grundlegenden Einstellung zum Leben liegen, unabhängig von äußeren Gegebenheiten. Deswegen war auch von Anfang an geplant, dass Chance der dritte Begriff in meiner Reihe #26Gedanken wird.

Seit Wochen hadere ich allerdings mit mir.

Wie soll ich eine Situation als Chance begreifen, in der das Leben von vielen Menschen akut bedroht ist? Wenn Begriffe wie social distancing unser Zusammenleben bestimmen? Mit Existenzängsten von Freiberuflern, Kulturschaffenden und Angestellten genauso wie von Betrieben und Unternehmen egal welcher Größe?

Wie kann eine Krise zugleich Chance sein, wenn Menschen von ihren Liebsten getrennt sind? Schutzräume für Opfer von häuslicher Gewalt wegbrechen? Ängste, Depressionen und suizidale Gedanken von der Isolation genährt werden?

Nein, die jetzige Zeit ist für mich keine Chance. Es ist eine Krise. Punkt.

Aber!

Wie ich schon oben schrieb, versuche ich stets das Beste zu sehen. Und wenn das schwer fällt, so wie im Moment, dann doch zumindest das Gute. Und das gibt es auch jetzt, mitten in der Krise.

So sehr wir dazu angehalten sind, uns jetzt voneinander zu distanzieren, sitzen wir alle im selben Boot. Die Krise trifft uns alle, jeden einzelnen von uns. Natürlich trifft es den Einen härter als die Andere. Aber es trifft nun mal uns alle.

Und das macht die Krise inklusiv.

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch uneingeschränkter und gleichberechtigter Teil der Gesellschaft ist. Inklusiv ist etwas also dann, wenn es diese Teilhabe ermöglicht. Ja, etwas so wichtiges wie das Menschenrecht auf Inklusion mit der grassierenden SARS-CoV-2-Pandemie in einen Kontext zu bringen ist Sarkasmus. Und doch ist es einen Gedanken wert.

Das Virus macht keinen Unterschied. Es gibt nur ein Ziel: den Menschen als Wirt zu nutzen. Dabei ist es egal, ob der Wirt gesund oder krank, behindert oder nicht behindert, jung oder alt, groß oder klein, dick oder dünn, sexuell aktiv oder nicht, Liebhaber oder Erzfeind von Pizza Hawaii ist. Die einzige Unterscheidung des Virus ist Mensch oder nicht Mensch, Wirt oder nicht Wirt.

Und damit hat SARS-CoV-19 etwas geschafft, was unsere Gesellschaft noch immer nicht vermag:
jeden Menschen als Mensch zu sehen.

Der Silberstreif

Im Moment ist es doch so: Niemand kann mehr einfach so in ein Restaurant gehen, ein Konzert besuchen oder einen schönen Abend im Theater verbringen. Wer auf Barrierefreiheit angewiesen ist, konnte das vorher auch nicht.

Stattdessen stellen Künstler und Schauspieler ihre Werke über das Internet zur Verfügung. Theater übertragen von der Bühne direkt ins heimische Wohnzimmer, mit Live-Streams aus angesagten Clubs kann man die Küche zur Tanzfläche umwidmen und die Stammbars und -restaurants der Gegend bringen Cocktails und Lieblingsessen mitunter bis an die Haustür.

Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben findet jetzt vermehrt (auch) zu Hause statt. Etwas, das sich nicht nur mobilitätseingeschränkte Personen seit langem wünschen. Es bleibt zu wünschen, dass der Erfolg von solchen Formaten registriert wird und auch in Zukunft die reiche Kulturlandschaft den Weg zu jedem nach Hause findet.

Eine weitere Sache, die hoffentlich auch in Zukunft weiter bestehen bleibt, ist die wachsende Solidarität gegenüber älteren Nachbarn und Mitgliedern der sogenannten Risikogruppe. Was spricht denn dagegen, für diese Personen bei Bedarf auch in kommenden normalen Zeiten einkaufen zu gehen und andere Wege zu erledigen? Oder sich im Treppenhaus, auf der Straße, egal wo nach ihrem Befinden zu erkundigen und sie zu fragen, ob und wie sie zur Zeit zurechtkommen?

Besonders bemerkenswert finde ich die Entwicklung rund um die Integration des Gebärdensprachdolmetschens in Pressekonferenzen und Live-Übertragungen. Über Julia Probst (@EinAugenschmaus auf Twitter), die eine entsprechende Petition gestartet hat, verfolge ich den Prozess schon von Beginn an. Mittlerweile haben bereits über 29.000 Menschen unterschrieben! Erste Erfolge, insbesondere auf Länderebene, sind bereits zu verzeichnen. Ich gehe fest davon aus, dass bei weiter steigendem Druck auch die Bundespressekonferenz mit Dolmetschenden live vor Ort durchgeführt wird – und das hoffentlich auch nach Corona.

Eine weitere Initiative zur Bereitstellung von Informationen ist die Arbeit der Taskforce Barrierefreie Kommunikation und Corona von Laura M. Schwengber (@LauraMSchwengber auf Twitter) und anderen engagierten Menschen. Auf Corona Leichte Sprache gibt es die wichtigsten Informationen in Leichter Sprache in Form von Materialien zum Ausdrucken, einem Lexikon mit Erklärungen zu häufig verwendeten Begriffen oder Tipps für die Gestaltung des veränderten Alltags. Von dort stamm übrigens auch das wunderbare Titelbild, mehr dazu am Ende des Beitrags.

Abschließen möchte ich mit einem weiteren Thema, das aktuell zu Recht in die öffentliche Wahrnehmung Einzug hält: der Unterbringung in Heimen. Die Meldungen über Covid19-Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen sind bekannt und zeigen eklatante Nachteile der Heimunterbringung auf. Zur gleichen Zeit gibt es von Seiten des Bundesgesundheitsministeriums eine Gesetzesinitiative namens Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz, kurz IPReG. Im Kern enthält das Gesetz die verpflichtende Heimunterbringung für Beatmungspatienten. Das bedeutet, dass pflegebedürftige Menschen, die auf eine Beatmung angewiesen sind, in Zukunft nicht mehr zu Hause leben und dort gepflegt werden dürfen. Stattdessen sollen sie in speziellen Einrichtungen untergebracht werden, fernab von Familie und Freunden und ohne das Recht auf selbstbestimmtes Leben. Um dieses Gesetz zu verhindern gibt es eine Petition, die momentan bereits über 183.000 Menschen unterzeichnet haben. Wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, dem empfehle ich den Twitteraccount Freiheit für die Gänsegurgel.

Die Chance kommt nach der Krise

Ich weigere mich nach wie vor, die bestehende Krise als Chance zu sehen. Aber wenn alles wieder seinen gewohnten Gang geht, sich die Situation beruhigt und die Welt wieder in Ordnung ist, dann haben wir eine große Chance! Nämlich all die Dinge, die jetzt in den Fokus rücken und die man jetzt als wichtig und richtig erkennt, nicht wieder aus den Augen zu verlieren.

Auch ohne eine Pandemie ist es wichtig, dass alle Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Sei es durch einen Livestream von Theaterstücken, die Zugänglichkeit wichtiger Informationen auch in Gebärdensprache und in Leichter Sprache oder ein selbstbestimmes Leben in der eigenen Wohnung für Menschen mit und ohne Gänsegurgel.

Bitte nutze daher schon jetzt Deine Stimme, unterstütze die Petitionen zu Corona-Infos für Gehörlose sowie zum Stopp des IPReG und sorge dafür, dass auch andere Menschen davon erfahren.


Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade von Kerstin Paar unter dem Titel Corona: Chance für Wandel. Die Idee dazu entstand bei einem Austausch unter Freiberuflern, der von Johannes Mairhofer ins Leben gerufen wurde.

Ich bin gespannt, wie du zum Thema Krise oder Chance stehst.
Schreib mir doch gern direkt per Mail oder über die sozialen Netzwerke. Oder lass uns telefonieren!

Bildquelle:
Simone Fass, Die visuelle Übersetzerin hat diese Darstellung für den Begriff Pandemie des Lexikons von Corona Leichte Sprache angefertigt. Ich bedanke mich für die Freigabe, das Bild für meinen Blog zu verwenden.

Aufbruch

Der Plan für 2020 war gemacht.
Er war gut, die Vorfreude immens und die Energie fokussiert.
Und doch lebt ein guter Plan davon, dass er nicht statisch ist und sich wandelt – manchmal kommt man selbst zu der Entscheidung, viel öfter noch sorgen die äußeren Umstände dafür.

Die untergehende Sonne bricht durch das Geäst von Bäumen. Blauer Himmel mit einem Flugzeug-Kondensstreifen. Im Vordergrund ein See mit spiegelnder Oberfläche.
Sonnenuntergang im Botanischen Garten Berlin-Steglitz

Aber bevor ich zum Plan und seiner Anpassung komme, möchte ich etwas ausholen:

Ein neuer Lebensabschnitt

Der Beginn des neuen Jahrzehnts steht für mich auch für den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Der Grundstein dafür wurde bereits im vergangenen Jahr gelegt; mit der Geburt meines Sohnes. Ein Kind verändert ja bekanntermaßen alles. Dieser Prozess lässt sich nicht aufhalten; warum sollte man das auch wollen? Veränderung fordert immer auch ein Beobachten, Hinterfragen und Anpassen. 2019 war also das Jahr des Veränderns: Gesundheit, Familie, Beruf.

Durch eine OP im Frühjahr 2019 wurde ich dazu gezwungen einen Gang runterzuschalten. Bei der anschließenden Reha lernte ich mich und meine Bedürfnisse neu kennen: körperlich und seelisch. Dadurch ging ich gestärkt in die definitiv sehr anstrengende Phase mit einem Neugeborenen zu Hause. Doch neben Gesundheit und Familie, die in der ersten Jahreshälfte neu geordnet wurden, habe ich auch mein Berufsleben hinterfragt.

Was möchte ich tun? In welchem Umfeld möchte ich arbeiten? Und eine bis dahin ungewohnte Frage: Wie viel möchte ich überhaupt arbeiten?

Bei der Beantwortung dieser Fragen manifestierte sich ein Gedanke: so geht es nicht weiter. In der Konsequenz kündigte ich noch während meiner viermonatigen Elternzeit und fing im Anschluss bei meinem jetzigen Arbeitgeber an. Rückblickend kann ich sagen: Das war die beste Entscheidung meiner bisherigen Karriere.

Nunmehr arbeite ich für 15 Stunden in der Woche in einem Architekturbüro und habe nebenher ausreichend Zeit für Familie, Hobbies und die Verfolgung eigener unternehmerischer Ziele. Die Fragen nach Umfang und Umfeld der Arbeit wurden damit beantwortet, auch das „Was?“ wurde neu definiert. Doch über die neue Tätigkeit hinaus wurde mir eines deutlich: Ich will Menschen helfen. Direkt und persönlich.

Der Startschuss in die Freiberuflichkeit

Und damit entstand mein Plan für 2020: der Start in die freiberufliche Selbständigkeit! Der Fokus liegt dabei auf baulicher Inklusion, das heißt der Umsetzung von Inklusion im baulichen Kontext.

Es ist mir eine Herzensangelegenheit. Barrierefreiheit ist im baulichen Kontext natürlich ein elementarer Bestandteil. Bauliche Inklusion geht über den normierten Bereich von barrierefreiem Bauen jedoch noch hinaus. Mit der Gründung meines eigenen Ingenieurbüros trage ich meinen Teil dazu bei, dass das Menschenrecht auf gleichberechtigte Teilhabe für Alle endlich in unserer gebauten Umwelt umgesetzt wird.

In dem Moment, in dem ich erfolgreich meinen ersten Vortrag zum Thema gehalten habe, kommt der unscheinbar winzig kleine SARS-Corona-Virus-19 und wirft sich mit ungeheurer Wucht auf das Bremspedal. Gerade als die Gründung Fahrt aufgenommen hat folgt auch schon die Vollbremsung. Und jetzt stehe ich hier, abrupt gestoppt und mit einer Welt, die zugleich still steht und rasend schnell an mir vorbei zieht.

Und nun?

Plötzlich bin ich den ganzen Tag Zuhause, arbeite in Kurzarbeit vom Homeoffice aus und habe viel mehr Zeit als durch die Wahl des Teilzeitmodells erhofft. Mir ist bewusst, dass ich in besonderem Maße privilegiert bin: keine akuten Existenzängste, die Gesundheit auf dem eingepegelten Niveau und das große Geschenk einer verlängerten Eltern-/Familienzeit gemeinsam mit meinem Sohn und meiner Frau.

Und doch sind da auch abgesagte Aufträge, unklare Perspektiven und mit dem Veranstaltungsbereich ein wichtiger Kundenkreis, der auf absehbare Zeit gänzlich zum Erliegen gekommen ist. Wie soll mit dieser Perspektive der Aufbau einer funktionierenden Selbständigkeit funktionieren?

Ich habe es weiter oben schon geschrieben: Veränderung fordert immer auch ein Beobachten, Hinterfragen und Anpassen. Und genau das ist es, was ich die letzten vier Wochen getan habe.

Ich habe beobachtet, wie andere mit der Krise umgehen. Welche Wege sie einschlagen, welche Schritte sie gehen und was sie dabei lernen. Ich habe aber auch beobachtet, wie es mir selbst in dieser Situation geht.

Im nächsten Schritt habe ich hinterfragt:

  • Was ist jetzt wirklich wichtig?
  • Was kann ich leisten?
  • Kann ich von anderen lernen? Und wenn ja, was?
  • Wo will ich hin? Was sind meine Ziele?

Und nach dem Beobachten sowie dem Hinterfragen kommt das Anpassen. Ich habe Antworten auf meine Fragen gefunden und stehe jetzt vor der Herausforderung, nicht passiv zu verweilen, sondern aktiv in die Umsetzung zu gehen. Beim „Beobachten“ gelangte durch einen Podcast folgender Satz in mein Ohr:

Endlich hast du jetzt einmal die Zeit dafür, AN deinem Unternehmen, anstatt wie sonst immer nur IN deinem Unternehmen, zu arbeiten. Mache dein Business fit für die Zeit danach.


Michael Asshauer

Es ist die Zeit, am Unternehmen zu arbeiten. Genauer gesagt ist es die Zeit, mir die Zeit dafür zu nehmen. Ursprünglich wollte ich mit meiner Arbeit so schnell wie möglich rausgehen, Kunden akquirieren, Projekte bearbeiten, Vorträge halten. Die Energie, die dafür notwendig ist, steht im Moment allerdings nicht in ausreichendem Maß zu Verfügung.

Um bei dem Bild von Fahrt aufnehmen und Vollbremsung zu bleiben: Jetzt ist es an der Zeit, mit Kreativität, Akribie und Liebe in der Garage zu werkeln; sich auf den Moment des nächsten Losfahrens vorzubereiten. Das ist der Titel gebende Aufbruch. Er ist nicht physisch, er ist nicht nach außen gerichtet. Es ist ein mentaler, nach innen und auf mich gerichteter Aufbruch.

Um anschließend alle anderen mitzunehmen.


Ich bin gespannt, wie du zum Thema Krise oder Chance stehst.
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#26: Barrieren behindern

Barrieren sind Umstände, die uns daran hindern unser Ziel zu erreichen. Die Gestalt, in der diese uns im Alltag begegnen, kann dabei unendlich viele Formen annehmen: eine gesperrte Straße, ein verengter Fußweg, ein defekter Aufzug oder eine verschlossene Tür. Aber genauso auch ein zu hohes Regal im Supermarkt, ein besetztes WC im Moment größter Not oder ein schlecht ausgeschildertes Verwaltungsgebäude.

Barrieren sind vielfältig und können sich vor jedem von uns auftun, jederzeit. Doch eines haben sie immer gemeinsam: sie behindern uns. Es liegt nicht an uns, dass wir zu groß oder zu klein für die Einbau·küche unserer Mietwohnung sind. Es liegt nicht an uns, dass wir aus welchem Grund auch immer keine Treppen steigen können und deswegen das Bahngleis unerreichbar ist. Es liegt nicht an uns, dass wir im alltäglichen Leben behindert werden.

Die gebaute Umwelt ist voller Barrieren. Viele davon wurden (bisher) unbewusst übersehen. Viele wurden bewusst (noch) nicht beseitigt. Barrieren behindern unseren Alltag nicht nur. Viel zu oft verhindern sie Teilhabe am selbstbestimmten, gesellschaftlichen oder auch „nur“ komfortablen Leben.

Behindern ist heilbar und wenn Barrieren gebaut werden können, kann man sie auch beseitigen. Das ist bauliche Inklusion.

#26: A wie Alle

Nicht umsonst habe ich es mir zum Ziel gemacht, „Lösungen für Alle“ zu finden. Dieses unscheinbar kleine Wort mit großem A schließt jeden Menschen ein, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Gesundheitszustand, Laune, Schuhgröße usw.

Es ist damit gewissermaßen die Essenz der Inklusion.

Teilhabe von Allen und für Alle ist ein Menschenrecht. Nur wenn die Gestaltung der durch uns gebauten Umwelt diese Teilhabe ermöglicht, ist sie wirklich inklusiv und damit menschengerecht.

Der Mensch formt sich seinen Lebensraum wie sonst kein anderes Lebewesen auf unserem Planeten. Im 21. Jahrhundert ist es derweil längst überfällig, dass er dabei die Bedürfnisse Aller beachtet. Damit schließt dieses unscheinbar kleine Wort mit großem A nunmehr auch noch Tiere, Pflanzen sowie jedwede anderen Lebewesen und nicht zuletzt die nachfolgenden Generationen des Menschen selbst mit ein.

Diese vier Buchstaben bringen Inklusion auf den Punkt.

Philosophie

Inklusion als Grundsatz

Der Begriff Inklusion stammt aus der Soziologie und bedeutet, dass jeder Mensch uneingeschränkter und gleichberechtigter Teil der Gesellschaft ist. Dieser Leitgedanke stellt den Kern der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen dar – Inklusion ist ein Menschenrecht!

In der öffentlichen Wahrnehmung wird Inklusion oft auf den Bildungsbereich begrenzt. Doch nicht zuletzt die gebaute Umwelt ist es, die das Prinzip der Inklusion vernachlässigt. Viel zu oft wird ausgeschlossen oder separiert und damit vielen Menschen ihr Recht auf echte und gelebte Teilhabe verwehrt.

Mit dem verstärkten Fokus auf Gleichberechtigung und Toleranz ist es nicht zuletzt die Inklusion, die bestehende Unterschiede akzeptiert und gleichzeitig negiert. Jeder Mensch ist unterschiedlich, hat verschiedene Bedürfnisse und Einschränkungen und ist doch ein unverzichtbarer Teil der Gesellschaft. Dem Prinzip der Inklusion folgend habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, die gebaute Umwelt so zu gestalten, dass alle daran teilhaben können.

Kurz und knapp: Lösungen für Alle.


Behinderung und Barrierefreiheit

Nach dem Neunten Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX) liegen Beeinträchtigungen vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Hindern diese einen Menschen an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate gilt das gemäß SGB IX als Behinderung.

Im normativen Sinn beschränkt sich Barrierefreiheit auf die Nutzbarkeit für Menschen mit Behinderungen. Die Teilhabe für diese kann nur durch barrierefreie Lösungen erreicht und damit Inklusion realisiert werden.

Tatsächlich umgesetzte Barrierefreiheit kommt jedoch allen Nutzern zugute. Was für einige notwendig ist, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, bedeutet für alle anderen einen Gewinn an Komfort. Die Umsetzung barrierefreier Standards ist daher ein Plus für Alle.


Barrieren existieren überall und für jeden

Im alltäglichen Sprachgebrauch wird der Begriff Barrierefreiheit oft auf die Nutzbarkeit mit Rollstühlen reduziert. Doch Barrieren sind vielfältig und betreffen auch Menschen ohne körperliche oder geistige Behinderung.

Wer sich den Fuß verstaucht hat, schwere Einkäufe zu tragen hat oder mit einem Kinderwagen unterwegs ist, hat keine Behinderung. Dennoch sind diese Menschen froh, wenn sie bei ihren alltäglichen Wegen einen Aufzug statt Treppen nutzen können.

Jemand, der in einem Gebäude oder bei einer Veranstaltung Informationen sucht oder schlicht auf die Toilette muss, muss nicht unbedingt Probleme mit der Orientierung oder eine Behinderung haben. Dennoch wird jener Mensch froh sein, wenn auf den ersten Blick erkennbar ist, wo sich das Ziel befindet ohne lange suchen zu müssen.

Barrieren gleichen Fesseln, die uns am Vorangehen und Wachsen hindern. Doch Fesseln können durchschlagen und Barrieren beseitigt werden. Für Alle.

Ein kleiner Mensch, der in seiner eigenen Küche die obersten Schränke nicht erreicht, hat genauso wenig eine Behinderung wie ein großer Mensch, der im Spiegel ausschließlich seinen Oberkörper sieht. Für alle gibt es Möglichkeiten, diese Barrieren zu reduzieren und damit den Komfort des eigenen Lebens zu erhöhen.

# 26 Gedanken

Unser Alphabet hat 26 Buchstaben.

Dies nehme ich als Anlass, um 26 kurze Gedanken zu baulicher Inklusion und Barrierefreiheit mit Euch zu teilen. Damit gebe ich Einblicke in meine Motivation, mich als Ingenieur der Inklusion zu verschreiben.

Alle Beiträge dazu sind hier im Blog in der Kategorie #26Gedanken zusammengefasst.