Aufbruch

Der Plan für 2020 war gemacht.
Er war gut, die Vorfreude immens und die Energie fokussiert.
Und doch lebt ein guter Plan davon, dass er nicht statisch ist und sich wandelt – manchmal kommt man selbst zu der Entscheidung, viel öfter noch sorgen die äußeren Umstände dafür.

Die untergehende Sonne bricht durch das Geäst von Bäumen. Blauer Himmel mit einem Flugzeug-Kondensstreifen. Im Vordergrund ein See mit spiegelnder Oberfläche.
Sonnenuntergang im Botanischen Garten Berlin-Steglitz

Aber bevor ich zum Plan und seiner Anpassung komme, möchte ich etwas ausholen:

Ein neuer Lebensabschnitt

Der Beginn des neuen Jahrzehnts steht für mich auch für den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Der Grundstein dafür wurde bereits im vergangenen Jahr gelegt; mit der Geburt meines Sohnes. Ein Kind verändert ja bekanntermaßen alles. Dieser Prozess lässt sich nicht aufhalten; warum sollte man das auch wollen? Veränderung fordert immer auch ein Beobachten, Hinterfragen und Anpassen. 2019 war also das Jahr des Veränderns: Gesundheit, Familie, Beruf.

Durch eine OP im Frühjahr 2019 wurde ich dazu gezwungen einen Gang runterzuschalten. Bei der anschließenden Reha lernte ich mich und meine Bedürfnisse neu kennen: körperlich und seelisch. Dadurch ging ich gestärkt in die definitiv sehr anstrengende Phase mit einem Neugeborenen zu Hause. Doch neben Gesundheit und Familie, die in der ersten Jahreshälfte neu geordnet wurden, habe ich auch mein Berufsleben hinterfragt.

Was möchte ich tun? In welchem Umfeld möchte ich arbeiten? Und eine bis dahin ungewohnte Frage: Wie viel möchte ich überhaupt arbeiten?

Bei der Beantwortung dieser Fragen manifestierte sich ein Gedanke: so geht es nicht weiter. In der Konsequenz kündigte ich noch während meiner viermonatigen Elternzeit und fing im Anschluss bei meinem jetzigen Arbeitgeber an. Rückblickend kann ich sagen: Das war die beste Entscheidung meiner bisherigen Karriere.

Nunmehr arbeite ich für 15 Stunden in der Woche in einem Architekturbüro und habe nebenher ausreichend Zeit für Familie, Hobbies und die Verfolgung eigener unternehmerischer Ziele. Die Fragen nach Umfang und Umfeld der Arbeit wurden damit beantwortet, auch das „Was?“ wurde neu definiert. Doch über die neue Tätigkeit hinaus wurde mir eines deutlich: Ich will Menschen helfen. Direkt und persönlich.

Der Startschuss in die Freiberuflichkeit

Und damit entstand mein Plan für 2020: der Start in die freiberufliche Selbständigkeit! Der Fokus liegt dabei auf baulicher Inklusion, das heißt der Umsetzung von Inklusion im baulichen Kontext.

Es ist mir eine Herzensangelegenheit. Barrierefreiheit ist im baulichen Kontext natürlich ein elementarer Bestandteil. Bauliche Inklusion geht über den normierten Bereich von barrierefreiem Bauen jedoch noch hinaus. Mit der Gründung meines eigenen Ingenieurbüros trage ich meinen Teil dazu bei, dass das Menschenrecht auf gleichberechtigte Teilhabe für Alle endlich in unserer gebauten Umwelt umgesetzt wird.

In dem Moment, in dem ich erfolgreich meinen ersten Vortrag zum Thema gehalten habe, kommt der unscheinbar winzig kleine SARS-Corona-Virus-19 und wirft sich mit ungeheurer Wucht auf das Bremspedal. Gerade als die Gründung Fahrt aufgenommen hat folgt auch schon die Vollbremsung. Und jetzt stehe ich hier, abrupt gestoppt und mit einer Welt, die zugleich still steht und rasend schnell an mir vorbei zieht.

Und nun?

Plötzlich bin ich den ganzen Tag Zuhause, arbeite in Kurzarbeit vom Homeoffice aus und habe viel mehr Zeit als durch die Wahl des Teilzeitmodells erhofft. Mir ist bewusst, dass ich in besonderem Maße privilegiert bin: keine akuten Existenzängste, die Gesundheit auf dem eingepegelten Niveau und das große Geschenk einer verlängerten Eltern-/Familienzeit gemeinsam mit meinem Sohn und meiner Frau.

Und doch sind da auch abgesagte Aufträge, unklare Perspektiven und mit dem Veranstaltungsbereich ein wichtiger Kundenkreis, der auf absehbare Zeit gänzlich zum Erliegen gekommen ist. Wie soll mit dieser Perspektive der Aufbau einer funktionierenden Selbständigkeit funktionieren?

Ich habe es weiter oben schon geschrieben: Veränderung fordert immer auch ein Beobachten, Hinterfragen und Anpassen. Und genau das ist es, was ich die letzten vier Wochen getan habe.

Ich habe beobachtet, wie andere mit der Krise umgehen. Welche Wege sie einschlagen, welche Schritte sie gehen und was sie dabei lernen. Ich habe aber auch beobachtet, wie es mir selbst in dieser Situation geht.

Im nächsten Schritt habe ich hinterfragt:

  • Was ist jetzt wirklich wichtig?
  • Was kann ich leisten?
  • Kann ich von anderen lernen? Und wenn ja, was?
  • Wo will ich hin? Was sind meine Ziele?

Und nach dem Beobachten sowie dem Hinterfragen kommt das Anpassen. Ich habe Antworten auf meine Fragen gefunden und stehe jetzt vor der Herausforderung, nicht passiv zu verweilen, sondern aktiv in die Umsetzung zu gehen. Beim „Beobachten“ gelangte durch einen Podcast folgender Satz in mein Ohr:

Endlich hast du jetzt einmal die Zeit dafür, AN deinem Unternehmen, anstatt wie sonst immer nur IN deinem Unternehmen, zu arbeiten. Mache dein Business fit für die Zeit danach.


Michael Asshauer

Es ist die Zeit, am Unternehmen zu arbeiten. Genauer gesagt ist es die Zeit, mir die Zeit dafür zu nehmen. Ursprünglich wollte ich mit meiner Arbeit so schnell wie möglich rausgehen, Kunden akquirieren, Projekte bearbeiten, Vorträge halten. Die Energie, die dafür notwendig ist, steht im Moment allerdings nicht in ausreichendem Maß zu Verfügung.

Um bei dem Bild von Fahrt aufnehmen und Vollbremsung zu bleiben: Jetzt ist es an der Zeit, mit Kreativität, Akribie und Liebe in der Garage zu werkeln; sich auf den Moment des nächsten Losfahrens vorzubereiten. Das ist der Titel gebende Aufbruch. Er ist nicht physisch, er ist nicht nach außen gerichtet. Es ist ein mentaler, nach innen und auf mich gerichteter Aufbruch.

Um anschließend alle anderen mitzunehmen.


Ich bin gespannt, wie du zum Thema Krise oder Chance stehst.
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